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Interne Workshops

In den Workshops wird konkret an den Fragestellungen und Umsetzungsmöglichkeiten des Urban Practitioner gearbeitet. Die geladenen TeilnehmerInnen setzen sich aus den Vortragenden, aus KünstlerInnen, ArchitektInnen, UrbanistInnen, TheoretikerInnen, PolitikerInnen und Planungsbeauftragten öffentlicher Stellen sowie ExpertInnen mit Hintergründen von Soziologie bis zu gemeinwirtschaftlicher Ökonomie zusammen.
Für die Workshops werden spezifische, künstlerische Formate entwickelt, sodass neue Tools und Methoden der Kommunikation und Produktion für aktuelle urbane Fragestellungen direkt erfahren und ihre Möglichkeiten für eine Umsetzung in die (Planungs-) Praxis ausgelotet werden können.
Die Künstlerin Folke Köbberling erarbeitet für das Symposium in einem Workshop mit Studierenden der Technischen Universität und der Akademie der bildenden Künste ein räumliches Setting für den Kontaktraum. Performative Aufwärmübungen für die Workshops werden von Georg Winter und Barbara Holub vorbereitet.
Die ModeratorInnen berichten der Öffentlichkeit jeweils vor dem Abendvortrag von den Workshops, sodass die daraus resultierenden Fragestellungen in den Abenddiskussionen weiter behandelt werden können.

Die Workshops behandeln folgende Themen:

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1  Tools und Strategien für den Urban Practitioner
in diesem Workshop werden bereits bekannte und mögliche neue Werkzeuge, Rollen und Strategien der verschiedenen Akteure im urbanen Raum diskutiert.

Moderation:
Paul Rajakovics (Architekt, Urbanist, transparadiso; Abteilung für Wohnbau und Entwerfen, TU Wien)

Impuls:
Markus Ambach (Künstler, Kurator, MAP, Düsseldorf)
Torange Khonsaari (Architektin, public works, London)

TeilnehmerInnen:
Michael Diem (MA 19)
Roberto Gigliotti (Architekt, osservatorio urbano lungomare)
Christine Hohenbüchler (Künstlerin; Institut für Kunst und Gestaltung 1, TU Wien)
Birgit Hundstorfer (MA 21)
William Menking (architects newspaper/ New York; Pratt Institute, New York)
Dirck Möllmann (KÖR Steiermark)
Christoph Steinbrener (Künstler, Kurator, Wien)
Martina Taig (KÖR Wien)
Wochenklausur (KünstlerInnengruppe, Wien)

Themen:
_Welche künstlerisch-urbanen Tools, Methoden und Strategien gibt es bereits?
_Wie können diese Tools langfristig in Planung einfließen und neue Werte gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Handelns jenseits neoliberaler Interessen formulieren und wirksam machen?
_Welche Rolle spielt Kommunikation?
_Wie kann man sich vor (kurzfristiger) Vereinnahmung durch Investoreninteressen schützen?
_Wie kann man eine Nicht-Ordnung oder das „Un-Nütze“ schaffen?

Tools und Strategien für den Urban Practitioner
Wer oder was könnte ein Urban Practitioner sein? Gibt es ihn schon? Soll sie/er nur dort zum Einsatz kommen wo das Ungeplante und/oder Unplanbare stattfindet? Der Urban Practitioner ist eine neue Figur, der vielleicht am ehesten über bekannte Beispiele näher zu kommen ist.

„Park Fiction“ ist aus der Opposition zu einem marktwirtschaftlich konformen Bebauungsplan am Pinnasberg/St. Pauli/Hamburg aus einem Kunst im Öffentlichen Raum-Projekt entstanden. Über partizipative Planungsprozesse und Wunschproduktionen entstand der Park, der heute weltweit für ein neues Modell taktischer Stadtplanungsprozesse steht. Welche Rolle haben hier Christoph Schäfer und  Cathy Skene eingenommen? Wie wichtig ist ihre Herkunft von der bildenden Kunst? Hier werden städtebauliche Fragen gestellt, die die Darstellungsebene des Masterplans nicht stellen will oder kann.

In Bogotà wird 2002 El Cartucho (ein im Zentrum gelegenes Armenviertel) geräumt und abgerissen. Nicht weil Raum für neue Geschäftsbauten entstehen soll, sondern weil das Leben in diesem Viertel ungesund und gefährlich ist, und überdies damit wesentliche stadtinterne Verbindungen hergestellt werden können. Hier entsteht ebenfalls ein neuer Park (Third Millenium Park). Obwohl die BewohnerInnen großzügige Wohnungen mit solider öffentlicher Infrastruktur, die vollständig durch die Stadt finanziert wird, erhalten, wollen viele ihre Häuser dennoch nicht verlassen. Der damalige, für seine unorthodoxen Handlungsweisen bekannte Bürgermeister Antanas Mockus engagiert „Mapa Teatro“, um gemeinsam mit BewohnerInnen ein groß angelegtes performatives Theaterstück „Witness to the ruin“ zu inszenieren. Dadurch werden die Ängste vor der neuen Zukunft abgebaut und die Erinnerung an das alte Viertel kollektiv verarbeitet. Nach einem Jahr ist die „Trauer“ verschwunden.

Beide Projekte basieren auf künstlerischen Strategien, die es erst ermöglicht haben, eine urbane Fiktion tatsächlich zu realisieren. Sie setzen auf ein strategisches Konzept, das auf urban-taktische Handlungsträger und der Etablierung eines kollektiven Wunsches setzt.

Welche transdisziplinären Kooperationen sind dabei notwendig? Muss ein neues Berufsfeld entstehen, wenn die Stadt gegen den Strich gekämmt werden soll? Welche Akteure können dabei welche Rolle übernehmen? Ist für sie ein Rollenwechsel möglich? Notwendig? Kann nur die künstlerische Strategie die unerwünschte Hoffnung auf das Unerwartete erfüllen?
(Paul Rajakovics)

Paul Rajakovics, Architekt und Urbanist, gründete 1999 transparadiso mit der Künstlerin Barbara Holub als transdisziplinäre Praxis. Realisierungen u.a. Stadtwerk Lehen und Galerie Fotohof, Salzburg. 2001 Dissertation „Kontextuelles Handeln in Architektur und Städtebau“; 1997-2003 und seit 2009 Assistent an der Abteilung Wohnbau und Entwerfen an der TU Wien; 2004 Schindler Stipendium, MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles; 2004-2006 Co-Sekretär von Europan Österreich; seit 2002 Redaktionsmitglied von dérive_Zeitschrift für Stadtforschung; 2007 Otto-Wagner-Städtebaupreis; 2012 Förderung von departure für „Direkter Urbanismus“; die Publikation „Direkter Urbanismus“ erscheint 2012 im Verlag für Moderne Kunst Nürnberg.

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2  Kollaboration, Kooperation, Partizipation
fragt nach Konflikten als Produktivkraft und lotet wichtige Gründe bis Abgründe von aktuellen Formen von Partizipation und Kooperation aus.

Moderation
:
Mick Wilson (Künstler, Kurator, Theoretiker, Valand Academy, Göteborg)

Impuls:
Grant Kester (Kunsttheoretiker, University of California, San Diego)
Markus Miessen (Architekt, Architekturtheoretiker, Studio Miessen, Berlin, Städelschule Frankfurt)

TeilnehmerInnen:
Christoph Chorherr (die Grünen, Wien)
Wolfgang Förster (MA 50, Wien)
Martin Fritz (Kurator, Wien)
Barbara Holub (Künstlerin, Architektin, Institut für Kunst und Gestaltung, TU Wien)
Sonja Huber (KÖR Wien)
Astrid Konrad (MA 19)
Yvette Masson-Zanussi (EFAP/ European Forum of Architectural Policies, Brüssel)
Alan Mee (Architekt, Dublin)
Bernd Vlay (Architekt, Sekretär Europan Österreich, Akademie der Bildenden Künste)
Georg Winter (Künstler, HBK Saar, Saarbrücken)

Themen:
_Wie verhält sich die Ästhetik kritisch-engagierter Projekte zu sozialem/gesellschaftspolitischem Anspruch?
_Unter welchen Bedingungen sollen wir wie, mit und für wen kooperieren?
_Wie wird künstlerische Produktion zwischen einer Unabhängigkeit/einem Blick von „außen“/einem anderen Expertentum und der Erwartungshaltung des Auftraggebers generiert?
_Ist Konsens immer gut?
_Wie viel Beteiligung braucht es?
_Welche neuen Wege zwischen „bottom up“ und „top down“ gibt es bzw. sind vorstellbar?
_Partizipative Projekte und neue Kooperationen zwischen Möglichkeitsraum und Abgrund?
_Wie können Konflikte und außergewöhnliche Handlungsweisen produktiv werden?

Zwischen Pest und Cholera: kritische Infragestellungen „neuer urbaner Praktiken”
In den letzten zehn Jahren hat sich eine ziemlich heftige Debatte rund um eine Reihe von Praktiken entwickelt, die (1) die traditionelle Trennung zwischen den Berufen / Standpunkten des „Künstlers“, „Architekten“, „Raumplaners“, „Aktivisten“ und „Städtebauers“ zu überwinden suchen und (2) sich dabei unmittelbar mit der soziopolitischen Dynamik urbaner Prozesse und der Produktion „neuer“ städtischer Räume auseinandersetzen. Oft sind diese Praktiken ausdrücklich als Versuche angelegt, den Gegensatz zwischen Stadtplanung und der ungeplanten, unberechenbaren Entwicklung städtischen Lebens durch die aktive Produktion solcher Dynamiken im Rahmen urbaner Erneuerungs- und Wachstumsprozesse zu überbrücken. Die oppositionellen politischen Zielsetzungen dieser Projekte – nicht selten verbunden mit Themen wie Basisdemokratie, Aktivismus, Kooperation und Selbstorganisation – standen dabei besonders im Zentrum der Diskussion und Kritik. Das äußert sich häufig in Form einer kritischen Beschreibung von Projekten als „vereinnahmt“, „gentrifizierungsfördernd“ und/oder den Rückzug des neoliberalen Staates aus der „Produktion des Gemeinwohls“ und die radikale Privatisierung des „Sozialen“ besiegelnd und reicht von moderater Kritik bis zu ziemlich polemischen, vernichtenden Urteilen. Für eine eher moderate Form der Kritik steht etwa Phillips und Erdemcis Buch Social Housing – Housing the Social: Art, Property and Spatial Justice (2012): „Seit einigen Jahren schon tragen KünstlerInnen zur Gestaltung und Organisation von Strukturen des Zusammenlebens bei – oft mit zweischneidigen Folgen. Wenngleich viele von ihnen radikal neue Formen sozialen Wohnbaus, die Alternativen sowohl zur Privatisierung als auch zur staatlichen Versorgung bieten, ersonnen und umzusetzen versucht haben, so haben sie damit doch auch Gentrifizierungswellen eingeleitet und erkennbar zu der heute vorherrschenden Kapitalisierung urbaner Infrastrukturen beigetragen.“ Wesentlich schärfer ist die Kritik an der „NGO-Kunst“, die BAVO in Texten wie „Always Choose the Worst Option – Artistic Resistance and the Strategy of Over-Identification“ (2007) formuliert hat: „Konfrontiert mit einer offenen Einladung durch dieselben Machtinstanzen, die sie früher zu kritisieren pflegten, haben KünstlerInnen ihre Rolle als sozial engagierte AkteurInnen neu erfunden … Am symptomatischsten ist wohl der im letzten Jahrzehnt erfolgte Aufstieg dessen, was man als ‚NGO-Kunst‘ bezeichnen könnte … Was diese künstlerischen Praktiken miteinander verbindet, ist der Gedanke, dass es angesichts der vielen drängenden Probleme keiner Hochkulturstatements, großartigen politischen Manifeste oder sublimen Ausdrucksformen moralischer Empörung bedarf, sondern eher direkter und konkreter künstlerischer Interventionen, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen und Communities bei der Bewältigung ihrer unmittelbaren Probleme helfen … eine wachsende Armee von KünstlerInnen jettet rund um die Welt, um ihre künstlerisch-kreativen Fähigkeiten in den Dienst der Beurteilung und Lösung von Problemen zu stellen – Problemen, die sie manchmal sogar vorwegnehmen oder herstellen, um soziale Prozesse zu in Gang zu setzen. Ob es sich um die Entwicklung einer billigen, nachhaltigen und einfachen Methode zur eigenen Wohnraumschaffung für illegale Einwanderercommunities an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze (Estudio Teddy Cruz) oder um den Betrieb eines populären Theaters in einem Dritte-Welt-Slum (26’10 south Architects) handelt, stets geht es diesen Projekten um soziales Empowerment, um kleine, bescheidene Eingriffe zur Verbesserung von ganz spezifischen Lebensbedingungen, und zwar von unten, in enger Zusammenarbeit mit lokalen AkteurInnen und StakeholderInnen … Engagement wird verstanden als die fortwährende Produktion innovativer Mikro-Lösungen – sogenannter ‚pocket revolutions‘ – für die realen Alltagsprobleme, mit denen Menschen in ihrer unmittelbaren Lebenswelt konfrontiert sind. Das bedeutet eine fundamentale Abkehr von jeder Tiefenkritik … und die Hinwendung zu einer Praxis, die sich der Bereitstellung von Antworten, Lösungen, Werkzeugkästen und DIY-Manualen für aktuelle Probleme verschrieben hat, nicht selten in enger Kooperation mit großen Marktteilnehmern.” Der Workshop sucht nach Möglichkeiten, solcher Kritik in der Ausarbeitung spezifischer Projekte und urbaner Praktiken zu begegnen.(Mick Wilson)

Mick Wilson ist Künstler, Kurator, Kunsttheoretiker. Leiter der Valand Academy of Arts, Göteborg, Schweden, Dekan der Graduate School of Creative Arts and Media, Irland (www.gradcam.ie) bis 2012; Vorsitzender von SHARE, einem EU-weiten Netzwerk (www.sharenetwork.eu) für Dorktoratsstudierende der Künste; Mitglied von  European Art Research Network (www.artresearch.eu). Herausgeber (mit Paul O’Neill) von Curating and the Educational Turn, Amsterdam/London, (2010). Aktuelle Kunstprojekte/Gruppenausstellungen sind unter anderem: The Food Thing: Of the Salt Bitter Sweet Sea, Dublin, 2012; The Recipe Salons, Dublin, 2012. Aktuelle kollaborative Projekte sind unter anderem the food thing 2011-2014; und dead publics 2009-2013. Jüngste Publikationen sind unter anderem: We Are the Board, But What is an Assemblage?, in Mara Ambrozic & Angela Vettese, (Hrsg.) Art as a Thinking Process Sternberg Press (2012).

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3  Urban Practitioners und Commons
diskutiert ownership, access und soziale Gerechtigkeit

Konzept:
Anette Baldauf, Stefan Gruber

Moderation:
Stefan Gruber (Architekt, Akademie der bildenden Künste, Wien) und Anette Baldauf (Soziologin, Akademie der bildenden Künste, Wien)

Impuls:
Part I: Brigitte Kratzwald (SozialwissenschafterIn, politische Aktivistin): On Solidarity Economy and the Commons
Part II: Tamara Schwarzmayr/ Nadia Prauhart

TeilnehmerInnen:
Angelika Burtscher (Künstler, osservatorio urbano lungomare)
Jutta Kleedorfer (MA 18)
Martin Krenn (Künstler, Kurator, Akademie der bildenden Künste, Wien)
Inge Manka (Architektin, Institut für Kunst und Gestaltung 1, TU Wien)
Nadia Prauhart (Österreichisches Ökologie Institut)
Lisa Schmidt-Colinet (Universität für Bildende Kunst, Wien)
Tamara Schwarzmayr (Kunst und Kulturwissenschaft, Community Building und Migration)
Andrea Seidling (Az W, Wien)
Robert Temel (Forscher, Journalist, Vermittler, Initiative für gemeinschaftliches Wohnen)

Themen:
Part I: Solidarökonomie und Commons
Part II: Urban Practitioners und Commons

Heftige Debatten um Eigentum, Zugang und soziale Gerechtigkeit konfrontieren Urban Practitioners mit einem neuen Set an drängenden Fragen sowohl über Ziele als auch Bedeutungen ihrer Interventionen. In diesem Workshop wollen wir unsere Erfahrungen mit künstlerischen Praktiken austauschen, die außerhalb oder an den Rändern des kapitalistischen Markts situiert sind. Unser Interesse gilt Praktiken, die auf Ideen der Solidarökonomie und des Commons bauen und die Kunst der Aneignung, des Teilens und Stehlens vorantreiben.
(Anette Baldauf, Stefan Gruber)


Anette Baldauf
ist Soziologin und Kulturkritikerin. Zurzeit ist sie Professorin am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft und Co-Koordinatorin des PhD-Programms „PhD in Practice“ an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Stefan Gruber ist Leiter von STUDIOGRUBER in Wien und arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Urbanismus und Forschung. Er ist Professor für Architekturgestaltung und Urbanismus an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er die Plattform Geographie, Landschaften, Städte leitet. Seine Lehre und Forschung handeln von urbanen Strategien basierend auf fokussierten Interventionen unterschiedlichster Größenordnung, mit der Absicht, systemische Effekte zu erzielen. Von 2002 bis 2006 arbeitete Stefan Gruber mit Diller, Scofidio + Renfro in New York an Projekten wie der Neugestaltung des Lincoln Center und der Alice Tully Hall.

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4  Nach dem Applaus
stellt die längerfristige Wirksamkeit von urbanen Interventionen zur Diskussion und fasst konkrete Möglichkeiten der Etablierung des Urban Practitioner zusammen.

Moderation:
Regina Bittner (Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin, Leiterin des Internationalen Bauhauskollegs an der Stiftung Bauhaus Dessau)

Impuls:
Paul O’Neill (Künstler, Kurator, Kunsttheoretiker, Bristol)
Alisa Prudnikova (Kuratorin, Ural Industrial Biennial, Ekaterinburg)

TeilnehmerInnen:
Peter Arlt (Soziologe, Linz)
Werner Fenz (Kurator, Graz)
Karin Harather (Künstlerin, Institut für Kunst und Gestaltung 1, TU Wien)
Andrea Holzmann (Wohnbauträgerin/ GPA, Wien)
Folke Köbberling (Künstlerin, Köbberling/ Kaltwasser, Berlin)
Otto Mitmannsgruber (Künstler, Institut für Kunst und Gestaltung 1, TU Wien)
Katrina Petter (KÖR NÖ)
Heidi Pretterhofer  (Architektin, arquitectos, Wien)
Isa Rosenberger (Künstlerin, Wien)
Katharina Sokol (MA 19)
Erich Streichsbier (MA 19)

Themen:
_Was ist die Rolle des Urban Practitioner „nach dem Applaus“, wenn das (künstlerische) Projekt zu Ende ist? Wie verändert sich diese vor, während und nach dem Event/Projekt?
_Ist die Rolle des Urban Practitioner an einem Ort jemals beendet?
_Wie kann das Unplanbare und Ungeplante als Strategie gegenüber und mit konventionellen Planungsmethoden funktionieren?
_Wie kann die Energie und öffentliche Aufmerksamkeit transformiert und für eine längerfristige Strategie und Zusammenarbeit mit der Stadt und Stadtplanung genutzt werden?
_Welche neuen Formen von Zeitlichkeit und Planungsrhythmus braucht es, um den Urban Practitioner in längerfristige Kooperationen gleichberechtigt einzubinden?

Feldversuche in bewegter Stadt
Städte sind in Bewegung geraten: Sie lassen sich nicht mehr als exklusive territorial fixierte, national kontextualisierte Einheiten verstehen, sondern sind bewegliche Gebilde, in denen sich vielfältige Ströme von Menschen, Waren, Ideen, Bildern, Informationen und Kulturen auf jeweils besondere Weise verdichten. Angesichts des explosiven Nebeneinanders unterschiedlicher räumlicher und zeitlicher Zusammenhänge scheinen der Stadtforschung zur Verfügung stehende Kriterien dessen, was das Städtische nun sei, nicht mehr hinreichend, um die besondere Form der Vergesellschaftung Stadt zu beschreiben. Kritik an einer leitmotivischen, schablonenartigen Idee von Stadt, die sich bis heute fortschreibt, prägt die aktuellen Debatten in der Stadtforschung. Die Auseinandersetzung um den Gegenstand Stadt hat auch die an Stadtgestaltung beteiligten Disziplinen wie Architektur und Stadtplanung erreicht – Eigentümerstrukturen, Auftraggeber, Institutionen und Akteurskonstellationen verändern sich. Architekten und Planer agieren weniger als ExpertInnen mit besonderen institutionalisierten Agenden denn als Katalysatoren, Kuratoren, Akteure oder Mediatoren. Im Diskurs um eine neue Planungskultur ist schon seit einiger Zeit von einem Paradigmenwechsel die Rede: von der Dominanz des Planungsraumes des Planers und Architekten hin zum Lebensraum der Bewohner. Es handelt sich um eine Raumproduktion zweiter Ordnung, die hier ins Blickfeld gerät. Der Vortrag untersucht Korrespondenzen und Widersprüche zwischen Gegenstandbestimmungen in der aktuellen Stadtforschung und den Definitionsversuchen planerischer und architektonischer Interventionen im urbanen Raum. Zwei Tendenzen des Perspektivwechsels sollen dabei untersucht werden. Zum einen hat die Verlagerung der Bedeutungsebene der Stadt vom Objekt des Gebauten zur Handlung in der Stadt zur Folge, dass sich gestalterisches Handeln eher an Problemidentifizierung denn an Problemlösung ausrichtet. Zum Zweiten geht mit der Erweiterung des gestalterischen Handlungsfeldes auch eine kritische Auseinandersetzung um die eigene Disziplin einher. Wieweit in der Vielfalt von urbanen Projekten, die die Möglichkeiten sozialen Engagements mittels Architektur, Kunst und Design testen, auch Beiträge für eine Neukonzipierung der Architektur und Planung als kritisch reflexiver Disziplin erarbeitet werden, soll diskutiert werden.
(Regina Bittner)

Bittner Regina, Dr.phil., Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Leiterin des Internationalen Bauhauskollegs an der Stiftung Bauhaus Dessau, stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau.

Arbeitsschwerpunkte: Stadtethnographie, Kulturgeschichte der Moderne, urbane Kultur in der globalisierten Stadt, heritage studies; Kuratorin von Ausstellungen zur Kultur- und Architekturge-schichte der Moderne sowie zu Stadtkultur, zahlreiche Vorträge sowie internationale Lehrtätigkeit, Publikationen siehe www.bauhaus-dessau.de.